Katzenstreik interview

Im Beiheft zur solve your Problems, stellst du Tobi die These auf, dass ihr eine Band der Wiedersprüche seid. Wie spiegelt sich das auf der Bühne in den texten usw. wieder? Ist es so, dass ihr vier total unterschiedliche Charaktere seid? Und was ist der Punkt, der euch wieder verbindet? Was reißt euch immer wieder zusammen?
Tobi: Boar…alta, alta krass, Widersprüche ja und nein, ich glaube schon unterschiedlich. Jedenfalls würden wir das so sehen, wenn man das von außen so betrachtet ist das vielleicht nicht so krass, weil wir schon nen ziemlich ähnlichen Hintergrund haben und eine ziemlich ähnliche Sozialisation zu Punk und Politikstrukturen. [Bolle nickt!] Widersprüche halt schon, weil z.B. hab ich auch Bock Musik zu machen, um damit Kohle zu verdienen und halt Bolle so gar nicht und das war halt so ein Punkt den mussten wir in der Band klar kriegen über ein paar Jahre; wo wollen wir damit hin und ich war schon immer so, ich möchte auch gerne das Teil irgendwo hinbringen, dass man mit Katzenstreik seine Miete bezahlen kann und dann kam aber irgendwie über die Jahre und durch die Erfahrungen oder wie wir das halt gemacht haben, durch die Orte wo wir gespielt haben, z.B. hier wenn wir davon leben wollten, etwas davon mit nach Hause nehmen wollten, könnten wir in so ein Laden wie hier gar nicht spielen, das rechnet sich halt nicht und diese Entscheidung haben wir halt irgendwann getroffen.

Du würdest also Katzenstreik gerne auf ein Level bringen, dass du davon leben kannst; war das von Anfang an deine Motivation als ihr mit Katzenstreik angefangen habt oder erst später durch die Konzerte und Erfahrungen?

Tobi: Dass Katzenstreik was sein könnte womit man Geld mit nach Hause nimmt hat sich halt so ergeben. Der Gedanke daran war halt; das war im Jahr 2001, da ham wir knapp 50 Konzerte gespielt in dem Jahr; das hat sich auch so ergeben. Wir ham uns nicht hingesetzt und das alles so geplant und dann kam halt die Idee „Wäre halt geil das einfach so weiter zu machen und um das weiterzumachen, musste halt was mit nach Hause nehmen“. Daraus ist das entstanden. Danach hat sich’s aber auch direkt entschieden, dass das so nicht geht mit Katzenstreik. Also das wir das machen aus Fun und uns auf dieser Qualität nicht unterhalten wollen. Sonst haste halt so Sachen wie „Wir wollen nen Interview machen und dann komm die vom Fritz und der ist wichtiger“. Darum geht’s bei Katzenstreik halt nicht, keine Arbeit, kein Kommerz und deswegen aber auch nur 10 Konzerte im Jahr.

Tobi, du bist neulich nach England gezogen, ihr verwendet viele englische Sätze und viele Songtitel sind auch in Englisch; was verbindet euch mit dieser Sprache?
Seid ihr von englischsprachigen Bands beeinflusst? Und warum entscheidet ihr euch dann im Enddefekt doch für deutsche Texte?

Bolle: Also (lacht) ich red jetzt nur in das Ding – ich guck euch nicht an! Also von englischsprachigen Bands bin ich schon hauptsächlich beeinflusst, ich hab nie Deutschpunk gehört. Und wenn ich jetzt Texte mache oder ich singe, dann irgend so eine Sprache wie es sich ergibt beim Musik machen, da tauchen dann meistens ein paar englische Wörter drin auf und die behalt ich dann manchmal und ich finde es gibt keinen Grund die nicht zu mixen die Sprachen aber deutsch find ich schon cooler. Die Titel machen wir manchmal zusammen. Das ist eher so, wie heißt das? „Popsong.“ Fertig, da gibt’s keinen Hintergrund.

Bolle, du betonst auf der Bühne oft, dass Musik etwas wichtiges ist und auch in euren Booklets liest man immer wieder, dass euch Musik am leben hält, wie zeigt sich das im sonstigen Leben außerhalb von Katzenstreik?

Bolle: Das ist ne gute Frage! Also es gab definitiv ne Zeit in meinem Leben, wo mir die Musik das Leben gerettet hat. Wo es mir so vor kam, vielleicht war es auch gar nicht so dramatisch aber damals kam es mir so vor. Und da hat mir das sehr geholfen und das war auch verbunden mit der autonomen Szene und dieser Politik und diesen Ansprüchen, aber heutzutage ist es nicht mehr so in meinem Leben. Ich mach sau gerne Musik aber ich könnte auch ohne dieses Ding leben. Insofern für mich ist eher so, wie kann ich dieses politische, also was kann ich an meinem Leben/in meinem Leben konkret verändern und ich hab gemerkt dass wenn ich Musik mache; ich hab auch schon mal auf ner Beerdigung gespielt; das ist etwas was ich anderen Leuten geben kann. Das mach ich halt aus ganzem Herzen. Ich mach das voll gerne. Ich will das und das kann ich andern Leuten geben. Und das ist einfach was geiles. Und das ist auch bisschen so n Arschtritt. So „Ey das Leben lohnt sich, man kann was machen“ man muss auch ab und zu mal den ganzen Schwachsinn, der einen vom Leben abhält auch mal abschneiden und das kann man auch auffem Konzert machen. Das ist laut wenn du spielst; ich kenn das auch wenn ich auf Konzerten war, ich hatte immer total den Kick. Ich muss sagen mehr als bei Demos. Demos war Arbeit und Passanten beschimpfen dich und du hast dir gedacht, „hast du jetzt hier was erreicht?“ und Konzerte geben dir Power. Ich brauch das jetzt nicht, aber ich hab schon Bock das noch weiter zu geben. Und das ist einfach total schön. Einfach Musik zu machen das gefällt mir. Das ist ne geile Sache.

Tobi: Das ist ne ziemlich komplexe Frage, weil Musik kommt ja soviel in unserm Alltag vor und bei mir auch noch mal in einer ganz andern Form weil ich halt auch mit Musik arbeite und ich glaube das bei uns halt so Katzenstreik, dieses Musikteil, dass das in unseren Leben oder für mich ne ziemlich große Wichtigkeit eingenommen, obwohl das auch das ist halt einfach was mit meiner Situation in anderen Land zu leben und nirgendwo ein Haus zu haben oder so ein Zuhause konstogiert sich immer wieder neu durch Leute oder sonst was. Katzenstreik ist so ein teil da fühl ich mich zuhause egal wo wir sind. Wenn ich die 3 Nasen seh dann bin ich halt zuhause auch hier in den Raum zb. Ist wie n zuhause für mich weil ich halt mit den unterwegs bin. Deswegen ist das für mich auch ne große Wurzel. Also es geht viel um das drum herum. Als letzen endlich um die Musik das ist halt der gemeinsame Nenner . Das drum herum ist halt auch wichtig wenn das alles nicht so wäre würds die Band auch nicht mehr geben, weil die Band halt musikalisch nur ganz kleine schritte geht grade.

Bolle: Ich kann jetzt nicht behaupten das wir ne super politische Band sind, weil ich nicht genau weiß was das sein soll. Nen Stateman raushauen kann halt jeder, das ist kein Problem son Text zu schreiben. Was ich bei uns halt wichtig finde ist so der Umgang den wir miteinander haben, das ist halt so wir sind Freunde wir sind jetzt nicht so super nah- freunde. Aber es gibt immer so n ding inna band, wir machen uns nicht fertig wenn jetzt jemand was verpeilt oder scheiße spielt oder so was. Es gibt da so n total großen Respekt den wir so in der Politikszene und bei den Therapiegruppen gelernt haben. Das ist ziemlich wertvoll. Das ist halt auf ner anderen ebene politische Sachen zu organisieren. Wir versuchen das auch so zu machen das wenn irgendwas ist was die band betrifft, da wird halt jeder gefragt wird aber es ist halt so das man jemand vertraut und man auch mal was alleine machen kann und das ist okay.

Tobi: Ich wollte nur mal kurz dieses „politisch“ definieren. Ich glaube es gibt viele Leute die nicht den Hintergrund haben wie wir , wenn wir von Politik reden dann meinen wir halt so Sachen wie Antifa, Antirassismus und gegen Herrschaft; Unterdrückung im allgemeinen wir ham halt den Ursprung aus der autonomen Szene was schon nah an Anarchismus und befreite räume ran liegt wir ham alle auch diese Geschichten mit Veganismus und rechts sachen gemacht wir ham alle ziemlich viele unterschiedliche sachen gemacht.

Wenn wir jetzt um Politik reden geht’s halt um ne Perspektive nicht im Kapitalismus und nicht im Patrieriat zu verschimmeln. Das ist für uns so gesehen selbstverständlich. Das muss man einfach mal sagen, weil Politik kann soviel sein. Aber darum geht’s uns eigentlich, das wir diese Themen ablehnen. Und das wir es ablehnen wie Menschen in ihrer Gesellschaft vorkommen und das wir ne Gesellschaft wollen wo Menschen mit ihren Bedürfnissen vorkommen

Bolle: Das man halt selber versucht ne n eignen Raum zu kreieren. Das man mal guckt, was kann ich machen, einfach was selber anderes kreieren.


Wie macht ihr das eigentlich bei Konzerten wie trefft ihr euch vorher ?

Bolle: Also jetzt z.B. hier in Oerlinghausen; ich fahr mittem Zug von Erfurt nach Göttingen zu Hagen.
Tobi: Vorher läufst du noch zum Bahnhof?!
Bolle: Ne, ich lass mich fahren! Dann fahr ich zusammen mit Hagen los und nehmen noch jemanden mit, damit es sich lohnt, ne Mitfahrgelegenheit, und dann fahren wir nach Bielefeld. Tobi kommt mit seinem Kumpel aus Hamburg nach Oerlinghausen mittem Zug. Jörg kommt oft mit Mitfahrgelegenheit von Berlin nach woandershin und Hagen und ich müssen die dann alle abholen; also es geht , aber es ist schon krass. Aber mich störts nicht, es ist halt kein Problem. Es ist halt so.

Tobi: Wir sind gestern alle los gefahren ohne zu wissen, wo treffen wir uns eigentlich letztendlich. Erstmal gucken Oerlinghausen und dann mal gucken wie weit das JZO vom Bahnhof weg ist und dann kann man halt laufen und wenn nicht müssen die uns halt abholen. Diesmal hats eh geregnet und dann erst mal, welcher Bahnhof ist das eigentlich und dann hatte auch niemand die Adresse vom Laden mit. Also wir sind eigentlich besser organisiert. Wir sehen uns eigentlich alle immer erst ne Stunde vor der Stadt und manchmal treffen wir uns auch in Göttingen und fahren alle zusammen los wenn’s sich ergibt. Aber wir sehen uns nur 2 Konzerte und 2 Nächte. Danach fahren wir auch wieder alle nach Hause.

Du hast angesprochen, dass du nen klaren Unterschied siehst zwischen Konzerten, die einen mitnehmen und ner Demo, was ja mehr Arbeit ist für dich, wie wichtig findest du das, dass man nen politischen Hintergrund nach außen trägt durch ne Demonstration? Würdest du das auch machen oder machst du das auch?

Bolle: Also erst mal würde ich sagen, es gibt auch Demos, die einem Kraft geben und es gab auch Konzerte, die nur Arbeit waren. Für mich würde ich sagen, ich finde es wichtiger, dass ein einzelner Mensch auch mit anderen zusammen das da ne tiefgehende Veränderung stattfindet und es ist nicht schwer inne Antifa Gruppe zu gehen und auf Demos zu gehen; es gibt aber definitiv Situationen wo man das machen muss, wo man das auch nach außen tragen muss, das würde ich auch gerne wieder machen aber derzeit sehe ich für mich nicht so den Sinn drin das zu machen, es gibt einfach Situationen, da muss man aufstehen und das zeigen und vielleicht sogar noch weiter gehen, aber es gibt viele Ebenen von Politik zu machen; etwas zu verändern ist nicht nur Antifa oder so z.B. Meine Mitbewohner machen eine Biogärtnerei und das ist auch ne geile Sache also mit der Zeit auf verbreitert sich das Verständnis: „Was ist ne Veränderung?“ und man ist da etwas dogmatisch. Die Leute, die nicht in der Antifa sind nicht politisch und man selber ist gar nicht so toll, stressen in der WG, machen den Abwasch nicht; solche Sachen sind halt auch wichtig. Das Gesamtbild muss halt passen und wenn ich das bei mir auch sehe auch heutzutage dann isses halt was wo ich immer noch nicht mit zufrieden bin, was nicht aufhört, dass ich nicht sagen kann ich, ich bin so cool, ich bin so politisch. Wenn ich so sag, das krieg ich nicht hin und dann muss man halt gucken wie können wir das zusammen hinkriegen. Deshalb kann ich nicht sagen „Wir sind ne politische Band“, wir haben zwar schon politische Ansprüche, definitiv. War deine Fage okay beantwortet?

Tobi: Die Frage war ja, ob das wichtig ist, denke ich. Ich seh das ziemlich anders als Bolle, ich bin mir nicht im Klaren drüber wieweit ich das so hochhalten will für mich. Diese ganze Veränderungsteil oder das privat-politische, weil ich halt doch immer seh bei Konzerten hier oder da, und irgendjemand macht da dann doch wieder Geld und wenn’s nur der Getränkelieferant ist, und das ist ja auch nicht schlimm aber seh ich halt, dass es keine befreiten Räume gibt, z.B. ein Konzert ist halt falsch, trotzdem muss es halt Räume geben wo du dich zuhause fühlst und mit Leuten die Ablehnung gegenüber der Gesellschaft halt teilst. Und das ist halt oft zu wenig, viele Leute halten die Fahne hoch und machen nen politischen Text und dann setzen sich zusammen und sagen wir sind ja alle auf einer Seite, aber über vieles wird gar nicht geredet, was hältst du z.B. über Kapitalismus oder Sexismus, son Kram halt. Ich denke halt, dass diese Begegnung und das drüber reden macht halt ne Szene politisch, das einfach zur Demo gehen und einfach nur da sein, das ist halt wichtig für die Sache, für den Tag, aber das ist nicht sehr politisch, ich finde Politik ist halt ne Sache mit theoretischer Auseinandersetzung so und wenn es nicht läuft ist das alles spielplatzmäßig Identitätskram und ich hab lieber Leute, die Identitäts-Antifa machen als dass sie inne Disko gehen, klar find ich das besser aber reichen tut mir das nicht. Ich will schon, dass die Leute sich die Köpfe einschlagen im Theoretischen auch. Es ist total komisch in dieses Teil reinzureden [Das Diktiergerät].

Auf eurer Internetseite schreibt ihr einen Infotext über euch als Kollektiv, da erklärt ihr euch kritisch zu den Zwängen des Lebens wie arbeiten gehen; wie meistert ihr den Konflikt zwischen „Arbeit scheiße finden“ und „über die Runden kommen“?

Bolle: ( lacht ) Der Text ist von Tobi, für mich ist das nicht so das große Problem, für mich ist es eher nen Problem gewesen, ich hab lange nicht gearbeitet und ich hab bei Conatainern, man lebt von Kindergeld, man klaut viel, lebt ohne Miete, das ist mir irgendwann so auffen Sack gegangen, ich konnte halt ohne das Geld irgendwann nicht mehr weiterkommen und die Sachen machen, die ich wirklich machen wollte. Dann war es für mich total die Befreiung, ich mach nen 20 Stunden Job und das macht mir auch Spaß ,weil ich weiß wofür ich arbeiten gehe und ich hab da nicht son Problem mit, mich hat das irgendwann total belastet immer kein Geld zu haben. Das war die Hölle, man kann nicht mehr pennen. Ich hab auch kein Bock die 40 Stunden inner Woche zu arbeiten. Ich arbeite inner Firma, ist kein Kollektiv, aber es geht in die Richtung und das ist geil. Gegen Arbeit hab ich nix, es kommt nur drauf an was ist das, ist das Lohnarbeit oder weil irgendwie denke ich mal, da sind wir uns wahrscheinlich alle einig, dass jeder was machen will und dann isses geil wenn man das machen kann was man machen will und dafür Geld kriegt und natürlich kotzt einen das an wenn man wieder arbeiten muss. Aber andersrum ist es oft so wenn es Leuten schlecht geht und die gehen wieder arbeiten gibt’s den Leuten auch ne gewisse Struktur und nen gewissen Halt und das ist manchmal gar nicht schlecht. Also ich bin grade zufrieden mit der Situation.

Tobi: Ich denke es ist son Jonglieren; bei uns allen 4ren ist’s so gewesen und isses auch immer noch. Wir versuchen mit möglichst wenig blöder Lohnarbeit irgendwie genuch Zeit zu haben, genuch Geld zu haben, um auch wie Bolle meint auch weiter zu kommen, dann brauchste mal neue Sticks und das ist dann schon nen Problem gewesen manchmal und das nervt echt. Wenn man dann da so sitzt und dann noch nicht mal den 10er hat, um sich neue Sticks zu kaufen. Wir geben echt nicht viel Geld aus, ich glaube wir leben alle so was in Deutschland als Armut gilt [OK, den Satz übernehm ich wörtlich, kann halt ne gewisse Diskussion mit sich bringen, was nun Armut ist und was nicht, der Zynismus ist jedenfalls enthalten] und haben kein erfülltes Leben, aber mit den Möglichkeiten, die wir haben macht uns das schon viel glücklicher wie z.B. son Konzert zu spielen wie gestern, als jetzt jedes WE teuer mit der Freundin essen zu gehen. Das sind so Erlebnisse durch unser wenig-Geld-haben – ist auch son Grund warum uns Konzerte zu spielen auch so wichtig ist, weil wir halt was machen können. Wir können uns kein eigenes Haus bauen oder so, ich hätt schon Bock auf ne fette Villa mit nem Swimmingpool und dann kann ich alle Leute einladen und denen nen Zimmer geben und dann kann ich sagen du bist son geiler Maler; nen Freund von mir und der malt tolle Sachen und dem würd ich gern nen Zimmer geben und sagen mal mal und wohn einfach hier und mach deinen Scheiß. Aber das geht nicht, ich hab nicht die Mittel dafür. Aber gestern Abend da ist man auf der Bühne und man ist der King und macht halt was. Ich bau mit meiner Musik nen Haus wo ich die Leute einlade, das werd ich wahrscheinlich nie haben, aber in der Stunde wo ich spiele schon.

Bolle: ( lacht ) Hier ist ja alles so aufgebaut, dass immer Profit rausspringt, es ist so geil wenn man einfach mal sagt: „Scheiß drauf!“, ich will mich nicht so von dem Geld abhängig machen lassen, das ist mir wirklich wichtig. Dieses „nicht soviel Geld haben“ ist manchmal auch geil, weil man dann auch auf die wichtigen Sachen kommt z.B., wenn meine Eltern mich besuchen dann sagen die immer, „Alter wie sieht´s hier aus bei euch?“ (lacht) Das Ofenrohr muss neu gemacht werden, aber es hält und das ist okay und da merkt man einfach, die haben andere Werte und diese Werte erfüllen mich halt nicht. Es ist halt geiler wenn du Menschen hast; wenn du machen kannst was du willst; wenn du ein Umfeld hast; Freunde als diese Kohle und auch Zeit, aber nicht 40 Stunden sondern 20 Stunden und du kannst halt gucken. Das ist halt ganz wichtig, dass man sich da emanzipiert von der dieser „Immer-mehr-Kohle“.

Bolle schreibt die Texte (außer einen) und macht auch die Musik. Wie integriert sich der Rest der Band in Katzenstreik? Und wie wählt ihr die Texte aus, die auf die Platte kommen? Darf Bolle mit jedem Scheiß ankommen? Habt ihr auch schon mal Texte von Bolle abgelehnt? Wenn ja, warum?

Tobi: Da bin ich ja mal gespannt!

Bolle: (lacht) Ich glaube das hat sich so eingespielt, dass ich viel von der Musik mache, denn ich bin da sehr schnell, ich hab da immer so den kreativen Flow. Ich kann in einer Woche so 5-6 Lieder machen, das ist kein Problem. Das ist ne Tatsache, das ist einfach so und andere Leute brauchen halt länger aus ner Band, das heißt aber nicht dass die keine geilen Lieder machen. Ich würde schon gerne an nen Punkt kommen, wo sich alle voll so einbringen können, dass es geil ist. Es war schon so ne Zeit, dass ich da der „Diktator“ war in dem Bereich. Das ist halt so, dass wir so ne Situation haben, dass wir uns nur 2 mal im Jahr treffen können um neue Songs zu machen, isses schon so dass ich mal versuche, „ich mach jetzt mal nichts mal gucken was passiert“, aber irgendwann isses auch manchmal so „komm, nimmste einen von deinen Songs und fertich“, dann passiert halt was. Na ja, und Texte? Wir Diskutieren nicht über Texte, es ist halt so dass jeder über alles schreiben kann, es sei denn es wären total heftige Sachen; sollte man schon respektieren, denn das ist ein Ausdruck was soll man dazu sagen, „ach, mir gefällt das Wort nicht“ oder „kannste das mal ändern“? Ich glaube dass die Anderen auch irgendwie froh sind, dass einer die Texte macht. Tobi macht’s auch, Tobi´s Arsch kann auch Texten; Tobi hat auch nen Text gemacht , also es ist definitiv möglich, es ist alles möglich und ich will das eigentlich auch, ich sag auch immer „Hagen, mach mal“ und dann immer „da singst du“, „oh nö lass ma…“, ich fänd’s schon geil; na ja ist ja auch ne harte/hohe Position als „Diktator“ von daher…

Tobi: Also ich würd nicht sagen, dass das diktatormäßig ist, das ist halt eher so ne Arbeitsaufteilung, wenn man so überlegt wer macht was in der Band, und dann mach ich das Booking und Hagen macht Promotion und hat das Auto, fährt die Sachen hin und her und Jörg macht die Homepage und so, Bolle macht die Lieder und wenn ich so drüber nachdenke und dadurch, dass wir das schon solange machen und auch allen klar ist, dass der Raum nen Text reinzuschmeißen oder nen Beat oder irgendwas ist halt da, und dadurch dass du weißt du kannst es machen ist es aber auch so, wir müssen das auch nicht, wenn uns was gefällt dann gefällt uns das und wenn nicht dann nicht. Leider ham wir einfach nicht die Zeit zusammen zu schreiben. Und ich glaub schon, dass man das merkt wenn man Lieder spielt, „hab ich die mitgeschrieben oder nicht?“ Aber wir könnten und das passt; ich fühl mich da auch nicht ausgeschlossen. Ich find auch nicht dass man da nem Ideal hinterlaufen muss; das ist so und das find ich auch einfach cool, das läuft so und das läuft gut so. Zu den Texten: Ich find nicht, dass man hinter jedem Text, jedem Akkord hinter stehen muss, das wäre ja auch langweilig. Hinter dem Text „Hassmaske“, den ich damals geschrieben hab, da standen die anderen ja auch nicht hinter und die ham mich auch machen lassen. Klar, es fällt auf dich als Band später zurück. Das wäre jetzt so als ob Bolle sagt, „ich hab in Oerlinghausen total die Energy, ich hab die Erleuchtung gespürt“, das ist jetzt ein blödes Beispiel aber dann kommt vielleicht jemand und sagt, „was dass‘n für‘n Schwachkopf?“ Ja, das ist ein Schwachkopf, aber das ist mein Kumpel, fertig. Du hast dich halt damit identifiziert, was die Band nach außen trägt so oder so. Kommt das rüber was ich meine? (Bolle lacht)

Frage an Tobi: (Bolle ömmelt)
Tobi, du hast Deutschland verlassen und die Entfernungspanne innerhalb der Band noch größer gemacht. Was war der Grund für diesen Schritt? Hast du in England zur dortigen Punkrockszene gefunden? Wo siehst du die Unterschiede zur deutschen Szene? Würdest du auch gerne mal mit Katzenstreik in England spielen ?

Tobi: Ja, ich würd super gerne mit Katzenstreik in England spielen. Unterschied zur Szene: Es gibt dort nicht so viele Orte, wo man Konzerte spielen kann, es gibt nicht so viele soziale und Jugendzentren. Struktureller Unterschied ist einfach, es gibt nicht so eine ausgeprägte Subkultur, die ihre eigenen Räume hat, sondern man mietet sich nen Pub oder geht halt dahin und dann ist das halt für den Abend nen Punkort oder so. Bei mir im Viertel gibt’s konkret halt was anderes und zwar die Cowboys und die Cowgirls und das sind Leute, die sich über Fußball getroffen haben und alle etwas punkig drauf sind oder sonst was. Da hat man da drüben halt Kommunistische oder Anarchistische oder Punker, was hier so übern Konzert läuft ist halt da eher Fußball. Da gibt’s halt genauso Vokü Sonntags und Diskothek; halt sehr ähnlich nur der Unterschied ist da gibt’s keine Antideutschen in England. Also doch die gibt’s auch, aber die sind dann nicht links. Es ist relativ Old School mäßig, mit ja klar Palästina-Solidarität. Ich bin da schon der einzige der da sagt, „Hey Moment mal, ich bin überhaupt nicht solidarisch mit irgendner scheiß Hamas, nur weil ihr gegen Israel seid und nur weil die nen Staat haben und die nicht“, son Bullshit, es gibt diese Sensibilität, also ne theoretisches Verständnis vom Holocaust nicht, „halt eine von den vielen bösen Sachen, die auf der Welt passiert sind“ und das ist nicht hier in Deutschland, wo ich denke dass viele Leute, die linksradikale Politik machen, eine linkszentrale Sozialisierung haben. Also jeder von uns war irgendwann mal während der Schulzeit im KZ und steht da und macht „äh, krass, das ist ja echt passiert“ und hier in England gibt’s das so nicht und ziemlich stereotype antisemitische Schinken laufen hier ab, wo ich glaube dass sich das in Deutschland verändert hat.

Die erste Frage, war ja warum ich nach England gezogen bin: Ich bin nach England gegangen, hab in Bremen gewohnt und wollte Vibraphon das, ist nen Xylophon mit Metalplatten, studieren. Dann ham die sich anner Uni vertan und hatten einen Monat nachdem ich mich 3 Monate intensiv drauf vorbereitet hab, vorher gesagt „Entschuldigung, wir ham uns verguckt, sie sind gar nicht bei dem Instrument eingetragen, sie können die Prüfung gar nicht machen , sie können das gar nicht Studieren.“ Dann hab ich meine 1 ½ jährige Beziehung beendet; auf beidseitigem Einverständnis , falls das jemanden interessiert und meine WG, wo ich mit Leuten schon in Göttingen zusammengewohnt hab, wir ham uns auch aufgelöst. Das war alles innerhalb von 2 Wochen und ich hab ja auch noch das „I cant relax in Deutschland“ Projekt mitgemacht, das ja gegen rassistische Tedenzen in der Popmusik und Popkultur ist, und das war super viel Arbeit, und mir ist irgendwie der Kopf explodiert mit der ganzen Scheiße und ich war mal in England und hatte mir das College mal da zufällig angeschaut und hatte schon öfter überlegt ins Ausland zu gehen und außer Katzenstreik war da auch nix mehr und dann kannste mal gucken ob du’s versuchst dir hier alles neu aufzubauen oder, ob du einfach mal „Fuck off!“ sagst, und dieses „Fuck off!“ war genau richtig. Ja, deswegen bin ich da.

Bolle, du lebst ja auf einem Bauwagenplatz in Cobstädt. Wie ist es dazu gekommen? Und warum in einem Dorf?

Bolle: Also ich hab mal auffem Bauwagenplatz gewohnt in Göttingen mit Tobi und auch Jörg hat da mal gewohnt. Wo ich jetzt lebe das ist kein Bauwagenplatz, wir ham uns den Hof gekauft. Und warum ich auf dem Land wohne? Das ist sehr geil da; die ganze Natur und ich hab einfach keinen Bock mehr auf Beton und die ganze Hektik, ich bin ja auch 3-4 mal pro Woche in der Stadt, Erfurt ist ja nicht so weit; also es ist ein guter Weg, aber ich genieße das total; alles grün, Tiere und so, super.


In Ludwigshafen hast du, Bolle gesagt, dass man immer irgendwann zuhause auszieht, weil irgendetwas nicht richtig läuft. Was meinst du damit genau?

Bolle: Das müßtest du eigentlich selber wissen? (lacht)
Zuhause die Eltern und so, was geht da so ab? Also bei mir war das so, da hat sich mein bester Freund umgebracht und das ganze Leben „pum“, das ist zusammen gekracht, und nach dem Punkt hab ich mir gedacht „was geht hier eigentlich so ab?“ Da hatte ich keinen Rückhalt Zuhause gehabt. Ihr kennt das alle, es gibt wenig Eltern, die damit verantwortungsbewusst umgehen, obwohl ich in letzter Zeit viele jüngere Eltern getroffen hab, wo ich gedacht hab „wow, die kriegen das echt gut hin, Respekt!“ und das kann ich gar nicht, und dann kommt der punkt wo man weg geht und sich denkt „die alte Welt stimmt so nicht“. Und dann muss man sich was neues suchen und das meinte ich damit, glaub ich.

Tobi: Um das so ein bisschen zu erklären: Das Kindsein ist ne Erfahrung, die wir alle gemacht haben, die echt ziemlich, ziemlich krass ist in der Gesellschaft, in ner Zeit wo du Gewalt erlebst gegen dich; du hast eigentlich keine Rechte – du kannst halt Glück haben und Eltern haben, die es irgendwie hinkriegen, dich irgendwie auf den Weg zu bringen und auch Boden unter‘n Füßen hast und auch schon was weißt. Was Bolle meint mit dem weiter geben, dass wir alle aus der Band auf die Welt gucken und uns selber angucken; sich denken „das ist ein reines Irrenhaus“. Wir alle sind total exotisch, haben alle Süchte und Verhaltensweisen, aber wenn man jeden Tag halt malochen geht bis auf’s Wochenende, dann bist du halt konditioniert auf etwas. Du kannst damit umgehen im Guten und Schlechten, wenn du aufstehst und denkst „Scheiße!“, und dich halt selber verarschst und das musst. Halt denkst: „jetzt muss ich arbeiten und scheiß drauf“ und da will irgendwann wieder raus und das macht mich halt krank, und die Gesellschaft, wir sind Produkte davon. Das produziert halt Verhalten gegenüber anderen Leuten, welches nicht cool ist, weil man es nicht packt und man weiß nicht „ist das mein Frust oder nervt der mich wirklich?“ und dann haste keinen Durchblick mehr und explodierst du und fängst an rum zu schreien oder so. Ich kann mich da an ne Situation erinnern, wo sie von ihrem Vater angeschrieen wurde; danach hat er ihr auffe Fresse gehauen… Also es geht halt soviel Chaos ab mit deinen Gefühlen, dass es schwierig ist den Durchblick zu behalten und damit klar zu kommen; ich kann da nur von meinen Eltern sprechen und das was man weiß von anderen Leuten. Man muss halt kohlemäßig alles hinkriegen; das ist schon total krass. Und dann hat man auch noch ne Beziehung, die nicht mehr so frisch ist und dann haste auch noch nen Kid zu dem du cool sein willst und das ist ein total harter Job und für viele Leute ne Überforderung und viele Leute bauen da sehr viel Scheiße.

Wie wichtig ist euch das „Drumherum“ an der Musik mit Posiealbum, Buch etc? Wer hat die Ideen dafür? Was bedeuten euch diese Sachen beim Herausbringen einer CD oder Platte?

Tobi: Hmm, ja schwierig, schwierig… weil ich glaub wir können da jetzt nicht sagen „wir sind jetzt so drauf als Band und wir machen das jetzt so und das bedeutet uns jetzt das“. Ich glaube, dass dass mit jeder Platte unterschiedlich ist wie wichtig die uns ist oder was wir damit ausdrücken wollen oder was wir da layouten wollen. Was wir da unbedingt reinhaben wollen, das entscheidet sich halt immer wieder. Ich hatte bei der letzten Platte das Gefühl, ich will danke sagen an ein paar Leute und ich will auf der Platte ein bisschen erklären oder das was wir machen ein bisschen erklären und hatte ich halt die Idee mit dem Poesiealbum, weil das halt super ist zum Leuten ein bisschen Platz zu geben, um uns was zu schreiben, um uns „Hallo“ zusagen, um da auch aufzutauchen. Es gibt halt einfach Leute ohne die gäb’s uns halt nicht oder ohne die wären Teile von diesem „Katzenstreik Kosmos“ nicht entstanden. Und deswegen war das halt der Versuch Leute damit einzubringen und nicht einfach nur danke an ****** und das war’s, sondern einfach auch mal den Leuten ein bisschen platz zu geben und dann halt auch noch ein bisschen unsere Musik zu erklären, weil die „Solves your problems“ ist ja für unsere Verhältnisse sehr gut gemischt und sehr viel Power in die Aufnahmen gesteckt und geht ja schon so eher Richtung Indie-Disko. Das sind ja schon eher Sachen, die irgendwie mit Soundqualität laufen können und bei der letzten Platte ham wa gesagt „wir wollen das anders; wir wollen das dreckig; wir wollen mehr Dynamik vom Spielen, mehr live und mehr in die Fresse haben und das war so ne Sache wo ich dachte, das werden vielleicht viele Leute erstmal nicht verstehen und, um das zu verstehen warum wir das so machen muss man das halt ein bisschen erklären, wie wir ticken und warum Sachen so passieren und nicht anders und deshalb wollte ich das auch mit dem Poesiealbum haben.

Bolle: Ich weiß auch noch das Ding, das hast du vorgeschlagen dass wir so Leute, dir wir kennen, halt Künstler, die wir kennen da was machen mit dem Booklet dass das halt ganz dick wird, aber das wäre dann halt zu teuer gewesen. Dass das nicht nur die band ist sondern ne große Sache, wo viele mit drinhängen Das ist dann halt nicht einfach nur nen Heft, sondern es steckt noch was dahinter und es sind nicht nur die Texte oder gar keine Texte. Da steckt halt viel mehr dahinter und das kommt ganz gut rüber.

Auf eurer Internetseite schreibt ihr, dass ihr euch in euren Texten mit Sexismus und sexualisierter Gewalt auseinander setzt. Was ist eure Haltung zu Sexismus; wo fängt bei euch Sexismus an im täglichen Leben, auf Konzerten etc?

Bolle: Da muss ich ma nachdenke… hmmm,… das Hauptding was mir dazu einfällt ist, dass Sexismus etwas ist, was bei uns allen drin ist und nicht einfach so thematisieren kann nach draußen. Das ist halt auch so‘n Ding wo ich gucke, was geht da bei mir ab, so. Das war bei uns auch ne zeitlang mal nen großes Thema bei einigen aus der band, halt sexualisierte Gewalt, weil hat uns betroffen; haben wir erfahren und dann setzt du dich damit auseinander und gehst in ne Therapiegruppe. Ist aber jetzt nicht mehr so n Thema, also eigentlich gar nicht mehr. Wir sind da auch sensibilisiert. Mir war das ne zeitlang sehr wichtig auch bei Männern und Frauen und hat sich jetzt halt einfach anders entwickelt. Es ist nicht mehr so n Focus, aber es ist halt einfach so grade wie Männer miteinander umgehen und da gibt’s schöne Sachen in der Band auch. Wir können uns in den Arm nehmen und uns Scheiße erzählen und einfach mal heulen. Und das muss man halt leben; ist halt was total menschliches, halt normal und wenn’s mal Ärger auf Konzerten gibt muss man halt den Jungs mal sagen, sie sollen woanders Pogo machen (lacht).

Tobi: Ich will die Frage noch mal von ganz vorne beantworten, denn es ist schwierig da einzuhaken, weil das sind schon krasse und ziemlich wichtige Themen und ich würd’s halt trennen; Also der eine punkt ist halt sexualisierte Gewalt und da mussten wir uns halt auch zwangsläufig mit auseinandersetzten und ich denke dass man das ganz krass auf der ersten Platte auch hört, das ist halt ne Platte wo Bolle und ich und Hagen halt auch ne Therapie gemacht haben und das war ganz klar ne Platte wo man sagen konnte „wir machen diese Musik, weil wir Überlebende von sexualisierter Gewalt sind und machen diese Musik, um anderen Leuten damit Kraft zu geben und, um diesen Schmerz, dieses Chaos, dieses verletzt sein nach außen zu bringen. Konzerte waren lange Zeit so, dass wichtigste und das was dich so nach vorn gebracht hat. Gerade in der Zeit in der Situation. Das hat sich halt verändert, denn wir gehen ja auch weiter und ich hab auch irgendwann den Punkt gefunden, wo ich gesagt hab, ich will nicht dass dieses Thema mich den Rest meines Lebens festhält und festigt. Man geht halt weiter, aber ich denke, das ist an vielen Ecken halt ohne dass wir’s merken nen großes Thema. Das wird wohl immer ein großes Thema für uns sein, aber nicht mehr so ausgesprochen. Und diese Sexismus Kiste ist halt etwas ganz anderes, weil das ist ja wieder sehr politisch definiert und bla, da ham wir halt Diskussionen geführt und mitgekriegt und da redet man im anderen Rahmen drüber. Für uns war’s halt wichtig von Anfang an – oder am Anfang war’s uns noch viel wichtiger – das nach außen zu tragen und zu sagen „Wir wollen keinen Kraftpogo auf Konzerten!“ Ich weiß nicht ob wir’s auch so sagen würden, nach meiner Einschätzung schon, dass hauptsächlich Männer vorne stehen wenn’s laute harte Musik ist im Publikum und sobald es abgeht mit Pogo gehen die 3-4 Frauen, die vorne stehen auch nach hinten und ab dem Punkt und ich denke ohne, dass die Männer das wollen ist es halt so, dass die Männer sagen wie getanzt wird, weil sie Bock darauf haben und wenn das heißt, dass alle Frauen nach hinten gehen ist das halt so und das finden wir halt schräg. Wir werfen jetzt niemandem den krassen Sexisten vor, aber wir erleben das; wir finden das schräg und versuchen halt anders zu wirken oder zu sagen „Alter das geht nicht, du kannst jetzt nicht alleine deine 5 Meter einnehmen, das geht nicht, Pogo soll sein; ist aber zusammen tanzen und nicht gegeneinander (Tanzen nicht Kämpfen ) und ansonsten ist das in uns halt auch drin und wir reproduzieren den Scheiß halt auch, ob wir wollen oder nicht in irgend einer Form. Auch auffer Bühne – wir mackern jetzt nicht ab, wir sind halt in dieser Gesellschaft. Sexismus ist halt jede Beziehung unter Männern, unter Frauen, es greift überall ein. Man hat Bilder im Kopf wie du zu sein hast als Mann – du hast Bilder im Kopf wie du zu sein hast als Frau und selbst wenn du weißt, du musst so nicht sein, du verhältst dich trotzdem so, weil du halt unsicher bist oder sonst was. Also insofern wir sind Teil davon. Hab auch keinen Bock alles zu reflektieren; das ist viel zu anstregend, aber denke schon dass ich bestimmte Sachen schon in den Grifff bekommen hab, aber, wenn ich breit bin und irgendjemand trifft mich dann so, denken die sich bestimmt auch, oh Mann ist der prollig; sieht halt in mir den Macker, der abnervt, weißt was ich mein?
Bolle: Mir fällt dazu noch was ein: Es gibt halt Leute, die missbraucht worden sind, die setzten sich damit auseinander und schneiden sich die Adern auf, weil die wollen sich umbringen und wenn du da selber durch gehst; das ist der absolute Horrortrip und irgendwann war halt für uns die Musik irgendwie selber verletzten, das war halt die Botschaft. Das war halt am Anfang so die Kraft, die ganzen Depressionen in was Gutes umzuwandeln. Der wichtigste Punkt ist halt auch, dass man sich selber damit auseinandersetzt, nicht die anderen sind Sexisten sondern was ist bei mir da los? Klar, man muss auch mal sagen, dass geht so nicht, aber man muss auch bei sich selbst schauen und nicht nur sagen „Das sind Sexisten!“

Auf euerm neuen Album ist ein Song, der sehr in Richtung Hip Hop geht; welchen Bezug habt ihr zum Hip Hop?

Bolle: Ich liebe Hip Hop! Also ich höre schon seit 5 Jahren; also da hab ich angefangen solche Texte zu hören. Das ist geil, das ist ne Musik, die mich sehr berührt hat. Das ist ne geile Sache, wenn sich Leute aus‘m Ghetto auf der Straße treffen, Breakdance machen und rhymen um klar zu kommen und da kommt das her und das ist ne abgefahrene Struktur und natürlich gibt’s da auch viel Sexismus in der Hip Hop Szene und das geht gar nicht, aber das Ding an sich ist halt cool. Jörg und ich machen halt zusammen Hip Hop, aber das ist halt eher so: Na ja wir ham auch zusammen ne cd gemacht, Jörg und ich. Also ich rappe und er macht so die Beats.

Ist es nicht ernüchternd durch die weite Entfernung nicht soviel Spirit austragen zu können, da ihr nicht soviel spielen könnt und euch nicht oft seht?

Bolle: Nein. (lacht) Also für mich ist es eher gut; also ich find der Spirit kommt halt rüber und wir können halt nicht soviel Musik machen, aber hat auch Vorteile.

Tobi: Ich hab so Punkte, wo ich manchmal denke, ich hätt jetzt Bock das und das zu machen, wie zum Beispiel mit Katzenstreik in England zu spielen und das ist dann nicht Distanz, sondern die Zeit das zu machen. Man hat dann nicht die Zeit und die Power das zu machen, was man will, wie wir’s grad auch schon mal hatten wie z.B. zusammen neue Stücke zu schreiben und das ist halt schade. Aber es läuft halt so und es läuft, also muss man das auch eher andersrum sehen. Es ist nicht ernüchternd sondern ist es nicht erstaunlich obwohl wir in 2 Ländern und 4 Städten wohnen grad ne neue platte rausgebracht zu haben? Also ich seh das eher so rum. Klar gibt’s auch ne Zeit wo ich denke „Scheiße!“

Interview – Krautbomber

01. Obligatorisches an den Anfang, was ist ein Krautbomber und wer steckt
dahinter?
hinter krautbomber stecken strähne -bass, schmidty- gitarre, michi gesang und gitarre, fanta-trommeln.und was ein krautbomber ist? wissen wir nicht. die frage ist zugegebenermaßen sehr dürftig beantwortet, aber das ist nun mal so.

02. Du trommelst ja auch bei den mittlerweile sehr angesagten Sniffung Glue und Michi hält auch bei NeinNeinNein das Gesicht ins Mikro. Bekommt man da denn noch alles gut unter einen Hut?? Ich kenne das von mir, dass man stellenweise das Gefühl hat, nur noch zu rotieren, aber keiner Sache so gerecht werden kann, wie das eigentlich sein sollte. Wobei es dann am Ende natürlich doch immernoch irgendwie passt.
im ersten moment sieht das immer ziemlich erdrückend aus, auf dem zweiten blick ist das halb so wild.man sollte aber immer im hinterkopf haben, das man seinem leben außerhalb der band auch noch gerecht werden muß. aber soviel spielen wir ja auch nicht. michi spielt natürlich sehr viel mit neinneinnein (einer der gründe weswegen krautbomber nicht so häufig spielen), aber der braucht auch den stress, habe ich den eindruck.
ich selber bin davon gar nicht so betroffen, weil bei sniffing glue alle noch in anderen bands spielen die auch berücksichtigt werden wollen.

03. Wenn ich was über Krautbomber lese oder jetzt auch über SniffingGlue, da wir ja gerade beim Thema waren, dann stoße ich da immer wieder auf Schlagwörter wie “80er-90er Hardcore/Punkrock“ und man hört ja eure Vorliebe für die alten Schätzchen auch deutlich raus, bei SG extrem deutlich und Krautbomber ist ja auch ne sehr straighte Nummer. Wie ist denn da der persönliche Musikgeschmack gewichtet? Hauptsächlich alte Sachen/Klassiker oder gibt es auch aktuelle Bands die dich heute noch so richtig begeistern können?
es kommt mittlerweile eher selten vor das krautbomber als 80er hardcore bezeichnet wird, ab und zu hören wir das noch nach konzerten, aber das liegt wahrscheinlich daran das man da nicht wirklich hört was oder auf welcher sprache gesungen wird. und genau das ist der feine unterschied beim schubladen auf und zu ziehen. angefangen haben wir mit englischen texten und haben damit auch ein demo aufgenommen. da wurde dann so schön gesagt wir machen schnörkellosen punk/hc wie in einst die alten ami-bands gespielt haben. als wir dann auf deutsch umgestellt haben, weil wir der meinung waren, daß das den liedern besser steht wurde uns auf einmal deutschpunk nachgesagt. wir haben die selben lieder noch mal neu eingespielt, um einiges dreckiger und hardcoriger, nur halt mit deutschen texten, und auf einmal lassen uns die selben leute, die uns vorher ami-hc aufgestempelt haben, wilden punk spielen !?! soviel zu schubladen.
ich bin jetzt übelst von der eigentlichen frage abgekommen. im musikgeschmack fahren wir nicht wirklich eine schiene, klar gibt es ein paar bands die wir alle mögen, aber da kann ich nur für mich selber antworten. und vorher noch kurz zu den 90ern. du kannst wahrscheinlich 70% der platten die in diesem jahrzehnt herausgekommen sind aus meiner plattensammlung klauen und ich würde wohl nix vermissen. für mich stehen die neunziger für schlechten deutschpunk (mit metalgitarren), schlechten hardcore (mit metalgitarren) und quarkhörnchen-melodic-core. bei mir selber steht besonders alter ami-punk/hc wie the lewd, dead kennedys, reagan youth, jerrys kids usw. oder neuere bands wie tear it up, nerve agents und konsorten aber auch sachen wie trend, franz ferdinand und so komisches zeug. alter deutschpunk muß auch ab und an sein. schmidty sieht das, glaube ich, ähnlich wie ich, außer das er johnny cash ganz groß findet, aber da scheine ich wohl der einzige mensch zu sein der mit dem nix anfangen kann. über michis musikgeschmack kann ich nicht viel sagen, amen 81 und i spy findet der aber auf jedenfall gut. strähne hat es mehr mit bands wie stray cats, tiger army, horrorpops, usw.. mit hardcore oder sachen wie krautbomber kann der nicht mehr so viel anfangen, dabei schreibt er fast alle lieder. aber die klingen am ende nicht immer so wie er sich das vorgestellt hat, denke ich.

Du hast ja gerade schon gesagt, dass ihr nicht sooo viel live spielt. Wie laufen denn die Konzerte so. Eure Platte ging ja ganz gut weg, jetzt wurde auch nochmal ne CD-Version nachgelegt, ihr seid also keine Unbekannten mehr, merkt man das auf euren Shows?? Irgendwelche Highlights oder Supergaus?
wir merken schon dass einige leute unsere platte kennen und auch extra wegen uns kommen und auch teilweise einige lieder mitsingen. aber wirklich viele leute kommen nicht wenn wir spielen. manchmal meint man wir sollten besser auf den toiletten der läden spielen, die würden wir wohl noch voll kriegen. supergaus haben wir noch keine hinter uns (ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern). und das jedes unserer konzerte ein highlight ist steht ja wohl außer frage.

¾ der Band waren ja auch früher bei AnotherProblem aktiv, wie lief es denn da im Vergleich zu heute? Wie wurdet ihr damals von den Leuten wahrgenommen, jetzt mal im Vergleich zu Krautbomber oder auch SniffingGlue?
mit another problem sind wir gar nicht wahrgenommen worden. in mönchengladbach ein wenig, aber sonst hat das echt keinen gejuckt das es uns gab. auf konzerten haben wir schon positive reaktionen bekommen, aber auf unseren platten sind wir echt sitzen geblieben, obwohl es sicher genug schlechtere gab die zahlreich den besitzer gewechselt haben. wir haben uns aber auch echt nicht um den ganzen netzwerkscheiß gekümmert und damit uns selber ins abseits gestellt. aber unsere „el ultimo que cierre“ ep sollte man sich ruhig zulegen, die hat zwar, wenn man das jetzt so mit abstand betrachtet ein cover das vom kaufen abhält, ist aber wirklich jedem der auf alten ami hardcore steht zu empfehlen. eigentlich klingt das von der musik krautbomber nicht unähnlich. aber bei krautbomber läuft das echt um längen besser (mit dem wahrgenommen werden, um auf die frage zurückzukommen). wir haben aber auch labels im rücken die sich mühe geben, und das hat sicher auch was damit zu tun.

Wer hat denn die AnotherProblem Platten gemacht?? Alles DIY?

das ich jetzt zu another problem fragen beantworte wundert mich schon, aber wollen wir mal. alle AP platten sind bei kleinen labels rausgekommen, die erste lp bei acrid production records aus aachen, da sind wir mitte der 90er über vitaminepillen-records mit zusammen gekommen, unser cd ein paar jahre später bei hot rats records, das ist ein plattenladen in magdeburg, zu dem wir über einen kumpel der da studiert hat kontakt bekommen haben. der besitzer fand unsere aufnahmen so gut das er ein label gegründet hat. die letzte single haben schmidty und ich auf search for fame heraus gebracht. das label haben wir zusammen gegründet und ich mache das noch ein bisschen alleine weiter. bei der krautbomber lp war ich auch beteiligt und die sniffing glue 12″ kommt da in zusammenarbeit mit play to destroy raus. (bei allen search for fame lp’s wird das cover aus starken karton selbst gebastelt und mit schablonen besprüht, lohnt also schon wegen der aufmachung)

Ich habe ja auch eine Platte von deinem SearchForFame-Label im Regal, der dicke Karton ist schon sehr schick und ich finde es auch immer doll, wenn man sieht, dass sich da jemand wirklich Mühe mit einer Platte gegeben hat, du bist da auch richtig Sammler, oder?? Irgendwas in deinem Plattenschrank, worauf du richtig stolz bist??

erstmal danke für die blumen bezüglich der aufmachung, bzw. der mühe die ich in die platten stecke.
ja, ich selber bin auch so ein blöder plattensammler und habe so einige sachen zum angeben zu hause stehen. ich mache zwar sonst da auch kein geheimnis raus was ich alles so habe, werde es hier aber nicht tun, weil erstens ist das eigentlich nichts besonderes wenn man platte xy als erstpressung auf dem und dem label hat, die meisten sachen werden ständig gebootlegt oder kommen ganz legal wieder raus und so kann jeder die musik + in den meisten fällen auch das orginal artwork zulegen. es gibt ja keinen grund stolz zu sein, wenn man so blöd ist nicht gerade kleine geldbeträge für irgendwelche platten zu bezahlen die früher 2-8 $ gekostet haben, obwohl man die platte als bootleg, bzw. spätere pressung schon seit jahren zuhause stehen hatte. sinn macht das nur bei platten die man nur im orginal bekommt, weil diese nie neu aufgelegt wurden. jeder kann in ebay-zeiten jede platte mit ein wenig geduld bei der suche und der bereitschaft mal tiefer in den tresor zu greifen jede platte bekommen. das ist echt kein grund stolz zu sein. es liegt doch auf der hand, auch wenn ich nicht mehr der jüngste bin, das ich nicht die möglichkeit hatte die scheiben 1982 für ein paar kröten bei den bands selber zu ordern. zweitens werde ich da nichts aus meiner sammlung aufzählen, weil ich mich doch sehr fremdschämen mußte als ein alter mann in seinem vorworten in jeder neuen ausgabe beim größten deutschem punk-fanzine damit rumprahlen mußte was für schätzchen er in letzter zeit sich zugelegt hatte, dann bei seinen angebotenen bomben-tapes (kleiner hinweis wer gemeint ist) extra hinschreiben mußte das alle aufnahmen von ORGINAL platten sind. hat sich in meinen augen zum würstchen gemacht.

Tja, vielleicht war meine Frage auch die nicht die dollste. Ich bin selber
überhaupt kein Sammler und dachte, wenn man so eine Leidenschaft hat, dann
ist man auch n bißchen stolz auf seine Schätzchen, aber ich verstehe dich
schon. Wir kommen aber auch total vom Thema ab, wobei ich das natürlich
alles nicht uninteressant finde, sonst würde ich ja nicht fragen, aber egal,
zurück zu Krautbomer: Was steht an? Irgendwelche mittelfristigen
Zukunftspläne?? Ich habe ja bisher nur gute Reviews der letzten Platte
gelesen, kommt bald was Neues?

im herbst wollen wir neue stücke aufnehmen und eine 12″ep rausbringen. ein paar songs sind schon fertig, es müssen aber noch ein paar geschrieben werden. wir sind nicht gerade fleißig was das proben angeht und nebenbei gerade aus unserem proberaum geflogen, aber das soll uns nicht daran hindern eine platte aufzunehmen. wir werden einen termin im studio machen und uns so selber unter druck setzten. wenn man immer erst wartet bis genug stücke geschrieben sind kommt man ja zu nichts. das unsere erste platte so gute reviews bekommt geht natürlich runter wie öl, man kriegt ja den eindruck das jeder die platte zu hause stehen haben sollte. da wir aber dem größten teil der „szene“ eh zu ungemütlich sind und jeder nur hören will was gerade cool ist, stehen die platten und cd’s nicht bei hinz und kunz sondern zum größtem teil bei dir (hehe).

Das ist ja schön zu hören, dass da was in Planung ist, ich bin gespannt. Aber als ob bei mir Platten stehen würden, meinen ganzen Keller brauche ich für gelbe Müllsäcke und Fahrräder… Und wenn ich richtig informiert bin, ist die Erstpressung auf Vinyl ja auch schon länger ausverkauft, also ich habe die nicht. Wir können aber jetzt auch mal zum Ende kommen. Ich wünsche euch noch viel Erfolg und noch viel mehr Spaß mit eurer Kapelle. Ich bedanke mich für das hübsche Interview und bin weg. Das letzte Wort gehört dir.

was glaubst du wie gespannt wir auf die nächste platte sind und wie die klingen mag, wir haben da selber keine ahnung was wir da machen werden. letzte worte sind blöd, deswegen gibt es auch keins, außer danke für das interview und die arbeit und das vertrauen, welches du in unsere band steckst.

Hier gibts jetzt ein Interview zu lesen mit Oi Polloi welches von Ruben gemacht wurden ist für sein fanzine welches jetzt doch nicht erscheint damit die mühe nicht umsonst war könnt ihr es euch hier reinziehen viel spaß damit.

Stellt euch bitte kurz vor!

Cam – Schlagzeug
Ricky – Gitarre
Deek – Stimme
Calum – Bass

Wann entstand Oi Polloi und wie/wer kam auf die Idee
eine Band zu gründen?

Die Gruppe hat in 1981 angefangen. Damals waren wir
alle in der Schule und wir wollten einfach gute Punk
Musik bei unseren Schule Rock Konzerten hören. Wir
wussten dass wenn wir sowas wollten dann mussten wir
es selbst machen – das haben wir getan.

3. Gab es spezielle Beweggründe für die einzelnen
Bandmitglieder? Spielten die Themen wie Politik und
Umweltschutz schon immer für euch eine wichtige Rolle?

Am Anfang wollten wir nur ein Bischen Spass haben und
gute punk Musik spielen – Politik hat damals absolut
keine Rolle gespielt.

4. Wie seht ihr eure eigene Entwicklung als Band von
damals bis heute?

Ganz einfach – wir sind mehr politisch gewesen als wir
unsere Augen geöffnet haben. Musikalisch sind wir
nicht so anders als am Anfang – vielleicht ein Bischen
mehr kompliziert aber noch gute Punkmusik.

5. Habt ihr noch andere Projekte neben Oi Polloi?

Ja, der Ricky spielt auch bei Moniack und Brown Jenkin
- sie machen „Prog Rock“. Ich singe auch bei
Kansalaistottelemattomuus aus Helsinki und der Cam
spielt Bass bei Eastern Bloc (ein Bischen wie Gang of
Four) und Keyboard bei Alles Schwindel (Cabaret). Er
spielt auch Schlagzeug bei einer Cajun Gruppe die Les
Miserables heissen.

6. Stimmt es, dass euer Sänger der einzige ist, der
die ganze Zeit über dabei war?

Ja, stimmt aber wir vier die heutzutage spielen sind
jetzt fur mehr als fünf Jahre zusammen gewesen.

7. Eine Frage die bestimmt viele Leute interessiert:
Wie kommt das Oi in eueren Namen? Zumal viele Oi direkt
als rechtsoffen und patriotisch darstellen.

Der Name kommt aus Alt-Griechisch ( ich hab die
Sprache damals in der Schule studiert) und bedeutet
„Die Leute“ – es ist auch als Schimpfwort gegen arme
Leute von Reicher Arschlöcher benutzt worden. Jeder
der unsere Texte sieht weiss dass wir weder
rechts-orientierte Arschlöcher noch dumme Patrioten
sind.

8. Wie ist die Szene in Schottland? Gibt es überhaupt
eine? Lebt ihr in Schottland? Wie und wo genau lebt
ihr?

Natürlich gibt es eine Szene in Schottland! Es gibt in
Schottland nur 5 Millionen Leute aber es gibt eine
Menge gute Gruppen und regelmäßige Konzerte in
Edinburg, Glasgow, Fife und Aberdeen. Ein Paar gute
Gruppen sind zb Filthpact aus Aberdeen (Crustcore),
Sad Society aus Edinburg (77-mässiges Zeug), In
Decades Decline (metallische Hardcore mit politischen
Texten aus Edinburg), Wardead (D-Beat auch aus
Edinburg), Atomgewitter (schnell und laut aus Fife,
Glasgow und Deutschland) und Gin Goblins die ein
Bisschen Grufti-Punk machen. Es gibt auch viel mehre
gute Gruppen die ich hier nicht geschrieben habe. Wir
selbst kommen alle aus Edinburg obwohl ich jetzt in
Helsinki in Finnland wohne (lange Geschichte!).
Edinburg ist aber verdammt cool und es gibt oft bei
uns sehr gute Punk-Festivals usw.

9. Wie denkt ihr über Bands wie The Exploited oder
andere schottische Bands? Gibt es welche, die ihr
besonders mögt?

Ich kenne den Wattie von Exploited nicht aber ganz
viele von den anderen Leuten die bei Exploited
gespielt haben sind nette Leute. Die Gruppe macht
manchmal sehr gute Musik aber persönlich ist das nicht
so mein Ding – ich stehe mehr auf Politische Punkmusik
z.B. die neue Gruppe von dem alten Sänger bei Scatha -
die heißen TRIBE und sind richtig geil. Social
Insecurity und Afterbirth aus Edinburg sind auch sehr
gute Gruppen wenn man auf D-Beat steht.

10. Man hat auch schon manchmal gesagt, dass ihr
antisemitisch wärt, weil ihr die israelische Flagge
auf Konzerten verbrennt. Wie steht ihr dazu?

Wir haben sehr oft UK/USA/Deutschland Fahnen bei
unseren Konzerten verbrannt – und in Italien,
Frankreich und Spanien auf Tour haben wir natürlich
auch ihre Fahnen verbrannt aber wie du bei unserem
Konzert selbst gesehen hast haben wir keine
Israelische Fahne verbrannt – ich glaube du sprichst
von diesem Konzert in Freiburg wo wir eine Plakate fur
eine pro-Israel Demo verbrannt haben. Wir haben dort
in diesem Zentrum eine Menge solche Plakaten gefunden
mit Parolen wie zb „Fuck the Palestinians“ usw darauf
- das ist rassistische Scheisse und diese
„Anti-Deutschen“ Leute die Bush, Israel usw
unterstutzen sind wirklich verwirrt. Hass gegen Juden
ist etwas ganz anders als Kritik gegen Sharon/Olmert,
die Occupation und die Regierung Israels – die
Anti-Deutschen behaupten anders weil es unmöglich ist
die blutige Taten Israels zu verteidigen – stattdessen
müssen sie die Leute die Kritik an Israel uben
persönlich angreifen. Jeder der unsere Lieder wie
„Bash the Fash“, „Nazi Scum“ und „Let the Boots do the
Talking“ sieht weiss dass wir keine „Anti-Semiten“
sind. Mein eigene Großvater ist in einem von den Nazi
Lagern gewesen. Leute die behaupten wir sind
rassistisch sind entweder Idioten oder verwirrte
Anti-Deutschen.

11. Auf eurem neuen Album sind sämtliche Songs in
Gälisch. Wie kam es dazu? Wie kam es bei der
Carson-single dazu?

Warum immer auf Englisch singen? Sowas ist verdammt
langweilig. Gälisch ist die ursprüngliche Sprache
Schottlands und ich hab sie seit Jahren in meine
Arbeit und mit Freundinnen die Gälisch sprechen
benutzt und die andere Bandmitglieder sind beim Lernen
- deswegen war es eine ganz normale Sache eine
Gälische Platte zu machen. Leute die Gälisch nicht
sprechen können Uberstzungen auf unsere Internet Seite
lesen also kein Problem!

12. Wie aktiv seid und/oder wart ihr in der
Umweltaktivistenszene? Gibt es spezielle
Organisationen, die ihr unterstützt?

Der Cam und ich waren fur viele Jahren sehr aktiv bei
der Edinburger Jagdsabotage Gruppe und viele von den
Bandmitgliedern haben an vielen verschiedenen Aktionen
Teil genommen durch den Jahren zb Aktionen gegen
Atomkraft, Autobahnen, usw, usw. Als ich Jung und ein
Bisschen naiv war hab ich bei Greenpeace gearbeitet
aber wir wissen jetzt dass die kleine Aktion-Gruppen
wie zb Earth First! die beste sind.

13. Habt ihr gewisse Schwerpunkte bei eurem neuen
Album gesetzt?

Ja, sicher. Erstens sind alle Lieder auf Gälisch
gesungen und das ist naturlich ein Schwerpunkt fur uns
aber wir schreiben auch uber Tier- und Menschenrechte,
Umwelt Themen, Anti-faschismus/Rassimus/Imperialismus
usw – die ubliche Anarchopunk Sachen!

14. Was denkt ihr über die Punkszene im Allgemeinen?

Es gibt naturlich viele Probleme und Arschlöcher aber
es gibt auch sehr viele gute Leute und sehr viele gute
Aspekten der Szene. Wir könnten aber stundenlang
daruber diskutieren………

15. Was sind eure momentanen Lieblingsbands?

Ich personlich stehe auf gute Anarcho-punk Musik wie
zb Antisect, Icons of Filth und Rudimentary Peni aber
ich finde auch Killing Joke total klasse – affengeil!
Im Moment höre ich Jeunesse Apatride aus Canada sehr
gern – sie sind spitze – melodisches und kraftvolles
Zeug mit weiblichen Gesang – die Musik und Stimme sind
einfach klasse! Ich bin mir nicht sicher was fur
Lieblingsgruppen der Cam und Calum haben aber der
Ricky hört sehr viel „Prog Rock“ und hat auch
Kraftwerk sehr gern. Wir alle finden La Fraction,
Brigada Flores Magon, Sin Dios und Barracka verdammt
gut.

Hier jetzt auch noch ein Interview mit Chaoze one, viel spaß beim lesen welches auch für ein Fanzine gemacht wurde was jetzt nicht mehr veröffentlicht wird damit die Arbeit von den Menschen nicht umsonst war könnt ihr es euch hier durchlesen. Viel spaß!

CHAOZE ONE

Es gibt nicht viel, was einen hardcore- infizierten Politpunkrocker wie mich so beeinflussen kann. Der ursprünglich aus Karlsruhe stammende Rapper CHAOZE ONE bildet da eine große Ausnahme. Kein Gedisse, keine sexistischen, unploitischen Statements. Dafür stark kritisierende, freche Lyrics, die dem Staatschutz wohl so mit Sicherheit nicht gefallen. Intelligente, kritische( auch der eigenen Szene gegenüber) und richtig gute Beats. Das gefällt, trifft einen direkt im Herzen und bewegt. Zwar gibt es auch ein persönliches Stück auf derRapression- LP (Twisted Chords, 2003), aber das hier nervt nicht, weil es nicht in irgendwelches Gejammer ausufert. Für mich ist CHAOZE einer der besten Künstler (v.a. im Hip- Hop) zur Zeit und das war Grund genug, ihn mal für unser Fanzine anzuhauen. Das Resultat, seht ihr dann ja ……..

Stell dich zunächst mal vor …
Hi , ich bin CHAOZE ONE, ich rappe seit etwa 6 Jahren und wohne momentan in Mannheim.

Wie bist du zum Hip- Hop gekommen, hatte Punk bzw. Hardcore jemals eine Relevanz für dich?
Hardcore nie, nein, meistens bin ich da eher laufen gegangen. Punk war eigentlich mein einstieg in die Politszene, wurde dann aber recht schnell abgewechselt von Ska und Reggae, der sich dann irgendwann über Ragga zum Rap entwickelt hat. In meiner Politeinstiegszeit war gerade absolute Hochzeit was Ska anging und die Mighty Mighty Bosstones oder Rantanplan/ But Alive gingen auch an mir nicht spurlos vorrüber…

Du bist quasi über Reggae bzw. Ska zum Hip-Hop gekommen?
Ich bin vom Punk zum Ska zum Reggae zum Ragga zum Rap gekommen, ja so war das.

In deinen Songs wird oft auf Bezug auf Antisemitismus und auch Kritik an der USA genommen. Inwieweit beschäftigt dich die Spaltung der Antifaschisten in Anti- deutsche und Anti- Imps? Gibt es ein Lager, dem du dich eher zurechnest?
Nein. Eigentlich fehlt mir zu beiden ‚Lagern‘ völlig der Bezug, weil ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, wie es möglich ist, eine so straighte Position in diesem Thema zu beziehen. Das ist und bleibt auch meine abschließende Stellungnahme. Ich werde mich da von keiner Strömung vereinnahmen lassen, sehe Kritikpunkte sowohl in Israel, als auch in Palästina. Das einzige, was ich der Diskussion abgewinnen kann, ist die Tatsache, dass das Thema Antisemitismus in der Linken wieder präsenter wurde. Das halte ich in Zeiten wie diesen für verdammt wichtig. Übrigens: explizit formulierte Kritik an den USA finde ich in meinen texten bisher nicht so wirklich. Für einen Hinweis wäre ich da dankbar, wo soll das sein?

Dazu fällt mir jetzt spontan der Song „Spiegelschrift“ ein. Hier gibt es die Textzeile „und der Afghanistan-Krieg ging dann wohl doch nicht ums Geld“. OK, richtig explizite Kritik ist das nicht, schon klar, aber Kritik an der US- amerikanischen Kriegsführung.
Ich übe Kritik an einem Kritik und allen daran beteiligten aus. Wenn wir den Irak- Krieg betrachten und etwas tiefer kratzen als an der Oberfläche, dann wird schnell klar, dass Deutschland nicht die ‚friedliche‘ Position hatte, die es vorgab. Insofern sehe ich meine Kritik nicht explizit antiamerikanisch. Trotzdem behalte ich mir vor, auch explizit Kritik an
Amerika vorzunehmen.

Es gibt aber auch im Punkbereich eine Band namens AMEN 81, die in Bezug auf Antisemitismus eine ähnlich Haltung hat, die aber von bestimmten Leuten als antideutsch hingsestellt werden. Nicht, dass ich das für richtig halte, missverstanden
wird es trotzdem oft genug, leider.
Ich bin definitiv NICHT antideutsch im klassischen sinne, wie gesagt, ich begrüße die Dis-kussion zum Antisemitismus, halte aber viele antideutsche Positionen für überzogen und teilweise schlicht falsch.

Wie stehst du zur Hip- Hop Szene heute im Allgemeinen? War Hip- Hop früher politi-scher oder kritischer?
Weder noch. Wenn ich mit den Leuten, die damals die Hip-Hop-Szene ausmachten, spreche, dann erkenne ich da strukturell die gleiche kleine zerstrittene Szene wie heute. Nur gibt es heute eine bestimmte Strömung ,die kommerziellen Erfolg hat und damals nicht. Insofern wird das anders wahrgenommen. Auch ANARCHIST ACADEMY sind damals schon Ausnahmerapper gewesen, weil sie inhaltlich nebenher liefen.

Waren Polit- Punkbands wie SLIME oder TOXOPLASMA oder in England vielleicht CRASS oder CHUMBAWAMBA wichtig, um über politische Dinge nachzudenken bzw. aktiv zu werden? Findest du diese Bands auch heute noch nach all dem kommerziellen Ausverkauf genauso wichtig wie vor 20 Jahren? Oder ist Punk einfach zu unpolitisch und vernünftig geworden? Ist das rebellische verloren gegangen?
(Scheiß Frage zugegeben)
Zunächst mal sehe ich CHUMBAWAMBA nicht als Punkband an, CRASS kenne ich nicht und TOXOPLASMA nur ein Lied vom Deutschpunksampler. wie Punk heute aussieht, dafür bin ich der denkbar falscheste Ansprechpartner, weil mich Punk wirklich nicht interessiert ;o)

Wie kam es dann zu deinem „Deal“ auf dem Punk/HC/Ska Label Twisted Chords?
Ich kannte die Leute von Twisted Chords flüchtig schon eine zeitlang und hatte Sympathien für die Philosophie dieses Projektes und dessen Macher. Twisted Chords und ich haben uns dann, als ich in Karlsruhe gewohnt habe, irgendwann zusammengesetzt und gerätselt, wie Rap wohl funktionieren könnte. Das war vor der „Rapression“, die inzwischen nach ca. 1000 bis 1500 verkauften Einheiten fast nachgepresst werden muss. Die Frage stellt sich also eher nicht mehr, ob sowas funktionieren kann. Und darüber sind sowohl Twisted
Chords, als auch ich sehr grlücklich…

Die Ex-Steffi war ja eines der letzten selbstverwalteten Häuser in Süd-deutschland. Wie war die Räumung für dich?
Tja. Ich hab die Räumung so erlebt: um kurz vor sieben kam eine SMS: „räumung jetzt“ – danach war Stille, weil ich meinen Neunstundenjob antreten musste.
Ich bin dann abends nach meinem Feierabend direkt zur Solidemo an den Marktplatz – wie du vielleicht weißt, war das Gebäude gut bewacht und inzwischen ist alles dem Erdboden gleich. Ich hab da meine Release Partys gefeiert, war da auch so ab und zu, hab Parties organisiert und auch wenn ich viel kritikwürdig gefunden habe – es hat verdammt weh getan zu wissen, dass die Epoche Ex- Steffi dann doch zu Ende ist.

Was war z.B. kritikwürdig an der Ex-Steffi?
Ich denke, es ist müßig darüber noch zu diskutieren, weil die Ex-Steffi ja nunmal inzwischen leider Geschichte ist. Fest steht, dass es wie in allen Häusern natürlich Interessenskonflikte gab, die ich teilweise nicht gut gelöst fand. aber das ist wohl eh kein Thema für eine Interviewfrage.

Was für einen job übst du aus? Trägt deine musik auch zu deinem lebensunterhalt bei?
Sorry, das wissen nur wenige und das ist gut so. Nein, ich verdiene mit der Musik nichts von meinem Lebensunterhalt, alles fließt zurück in Produktionskosten (Studio, Equipment etc.) oder in andere dinge (laufende Kosten, Homepage, Touren …)

Gab es Anfeindungen von Punkrockern, weil du keinen Punkrock oder HC machst?
Ja, ab und zu. Ehrlich gesagt hab ich eher Mitleid mit solchen Leuten. Wahrscheinlich kommen die nicht klar mit der Welt und sind deshalb so engstirnig. Wahrscheinlich sind das auch die, die später rumheulen wenn die Kehrwoche aus dem Ruder läuft….am besten gefallen mir die, die bei meinem Intro noch kritisch kucken und ab der Mitte der Show Pogo tanzen. Das geht mir rein, kritische, aber offene Leute…

Wann gibt es die nächste CHAOZE Platte? Gibt es vielleicht eine erneute Zusammen-arbeit mit ANARCHIST ACADEMY?
Oh ja – ich bin im Moment fast täglich im Studio um aufzunehmen, zu arrangieren oder zu mischen…ANARCHIST ACADEMY sind auf dem Album nicht zu Gast, nein. Das liegt aber nicht daran, dass ich keinen Bock drauf habe, sondern einfach daran, dass es sich bisher nicht ergeben hat. Es gibt aber zwei Features mit Deadly T, wie schon auf der Koppstoff, so dass die ACADEMY dennoch, wenn auch nicht komplett, vertreten ist. Ansonsten ist dieses Album ziemlich anti-national gehalten, wenn alle Features die noch geplant sind, klappen, dürften etwa sechs, sieben sprachen repräsentiert sein, schweizerdeutsch mitgezählt….ich freue mich wie ein kleines Kind über die Features, halte mich aber bei denen, die noch nicht im Kasten sind, noch ein bisschen bedeckt… Release ist übrigens noch dieses Jahr, ich
rechne so Anfang/ Mitte Oktober.

OK, zum Schluss: Was sind deine 5 Platten, für die einsame Insel zur Zeit?
ANARCHIST ACADEMY – Rappelkistenkids / Alle
MICROPHONE MAFIA – Lotta Continua / Alle
KRS ONE – Return of the Boom Bap / Alle
PROMOE/LOOPTROOP – Long Distance Runner / Alle
TORCH – Blauer Samt
Alle oben genannten haben auf jeden Fall einen Platz in meiner Forever Top Ten, wenn auch auf wechselnden Positionen!

Danke für das Interview und alles gute für deine weitere Laufbahn.
Danke. Gleichfalls!

JONES