Emo.Core 3 in „Kürze“

„Es ist genau wie letztes Jahr, als ich noch mindestens 10 Jahre jünger war…“
2009 – ein weiteres Jahr ist vergangen und viel steht an in den nächsten 12 Monaten! So bleibt’s zumindest zu hoffen und auch das Emo.Core Zine kommt so langsam aus dem Winterschlaf, auch wenn der Winter gerade richtig loslegt. Vom Schneegestöber auf den Straßen des Ruhrgebiets zur Laptop-Tastatur: Das 3. Emo.Core dürfte in wenigen Monaten fertig werden und an dieser Stelle gibt es schonmal eine Story als „Vorgeschmack“: Viel Spaß damit und wer Bock hat am 3. Zine mitzuwirken, ist herzlich eingeladen uns was per Mail zu schicken!

Ein weiterer Tag, der einen an die Grenzen des eigenen Verstands, des eigenen Empfindens bringen kann. Ein bisschen Abscheu oder Ekel oder wie immer man es ausdrücken möchte war schon da. Auf jeden Fall das Gefühl sich nicht wirklich scheiße, aber doof vorzukommen. Ohne schützende Anonymität durch den tonnenschweren Alltag zu rennen; viel zu oft die Schnauze zu halten, wo gern die eigene Meinung rausgekotzt worden wäre und wo das Gefühl da war, endlich mal zu sagen, was einem nicht passt. Viel zu oft unter Menschen gewesen. Gesellschaft, die einen ankotzen will und im Umkehrschluss auch viel zu selten unter Menschen gewesen, weil da diese gewisse Verbindung, dieses Feeling einfach auf der Strecke geblieben ist. Die sozialen Kontakte, die einen berühren werden rar und zu viele Gesichter, die man nicht sehen will, zu viele Veranstaltungen, die spurlos und trüb an einem vorbei ziehen. Die scheinbar so fette Party ist vorbei. So oder so ähnlich könnte dieses Gefühl umschrieben werden. Genauso war es wohl: „Mit der U-Bahn bis zur Haltestelle Markgrafenstraße und dann die linke Treppe hoch und noch mal linkslang.“ Trotz ungenauer, kurz angebundener Wegbeschreibung hat sie es gefunden und schlenderte mit einer gewissen Form der Vorfreude beim Ankommen den siffig-abgefuckten Hausflur hoch bis in den 2. Stock. Die anderen beiden sitzen auf dem gemütlichen, staubigen Sofa im Wohnzimmer, während Tanja die Tür öffnet. Leah begrüßte die Fahrgemeinschaft mit einem freudigen Lächeln; ein Lächeln, das sowohl schüchtern und unsicher wirkte, aber genauso viel abgebrühten Charme, den vor ihr liegenden Abend in vollen Zügen zu genießen, ausstrahlte. Die Reaktionen waren nicht alle von Freundlichkeit oder gar Freundschaftlichkeit geprägt. Während Nico von seinem Sofaplatz aus mit der Intention charmant zu grinsen mit einem „Hi Hi“ grüßte, gelang es dem neben ihm sitzenden Seb gerade mal grimmig hoch zu schauen. Leah ließ sich von Tanja die Zimmer der mehr oder weniger geräumigen WG zeigen. Neugierige Blicke huschten durch die einzelnen Räume, beispielsweise auf Fotos an den Altbau-Wänden, Fahnen von Fußball-Vereinen oder ins Terrarium von irgendwelchen Echsen, ohne diese pauschal abwerten zu wollen. Zusammen verließen alle die Hütte und machten es sich in Nicos gelben Kleinwagen gemütlich. Seb schleppte neben einer Flasche Mineralwasser und Proviant, wie veganen Keksen und Bananen, ein Kassettendeck ins Auto. „Auf keinen Fall hören wir heut Radio-Scheiß“ fuhr er Nico unsensibel an. Er legte scheinbar zum Selbstzweck eine arrogante Form von Streitsucht an den Tag oder viel besser an den Abend. Irgendwie war er seit Wochen in so einer Laune; unzufrieden mit sich selbst, was durch den Druck von außen, den er sich einbildete oder der real existierte bestärkt wurde. „Wat ist mit dem denn gerade wieder los?!“ oder „Wat soll der dumme Spruch denn getz?!“ könnte dem ähneln, was die andern drei in dem Moment dachten. Stille brach an. Die Schweigsamkeit wurde erst durchbrochen, als Seb sich selbst als den größten Idioten im Auto ausgemacht hatte und nach seiner Selbstreflexion wieder für gute Stimmung in der Reisegruppe sorgen wollte. Er begann ein Gespräch mit Leah, die bis dato gar nichts zu sagen wusste über Konzertlocations in Köln, Squats und autonome Zentren im Allgemeinen, bei dem sich alle Beteiligten einbringen konnten. Die Fahrt nach Köln war nicht kurz, aber auch echt nicht langwierig und als am Rasthof Remscheid Pinkelpause eingelegt wurde herrschte eine angenehme Atmosphäre, auch wenn die kleine Karre eine Viertelstunde lang nicht vorhatte anzuspringen und somit die Reise verlangsamte. Tanja hatte mittlerweile ein ganz anderes Gefühl der Anspannung. Die Kommunikation im Auto verlief bestens, doch sie war in ihren Gedanken woanders, lauschte den Gesprächen über kommende Geburtstage und deren Parties, über Schulabschlüsse und manch anderes eher halbherzig und hatte ein kontinuierliches Piepen im Ohr: Jenes einer empfangenen SMS auf ihrem Handy. Unbetrübt davon war Leah angetan ins Gespräch vertieft. Keine Spur mehr von Nervosität oder irgendeiner anderen Form von Unsicherheit – einfach entspannt und frei von jeder Angst. Was für Ängste auch? Angst davor eine individuelle Identität zu finden? Oder Angst keine zu haben? Angst davor diesen „Platz in der Mitte“ und „zwischen den Stühlen“ nicht zu finden? Endlich angekommen! So klettern alle aus dem Auto und freuen sich auf den Abend, treffen bekannte Gesichter und haben eine gute Zeit. Nico offenbart sich allerdings hierbei sein einziges Problem: Er als Fahrer bleibt das Saufen verwehrt und somit scheinen sich seine Augen genervt durch den Raum zu kullern. Da ist viel Platz für Gedanken. Für eine Form der eigenen Poesie und des eigenen Ausdrucks. Mit dem Gefühl eine gute Zeit zu haben.